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22.07.2021

Über den Ursprung Psychologischer Probleme

Viele Menschen gehen mit persönlichen, psychologischen Problemen durch das Leben und sind der in völliger Überzeugung, dass ihr Leben viel besser sein würde, wenn diese Probleme verschwänden.

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Diese Probleme treten auf in Beziehungen, im eigenen Leben, in Erwartungen an einen selber, und in dem was wir erreichen wollen in unserem Leben. So gehen Menschen durch ihr Leben und fühlen, dass wenn sie diese Probleme lösen würden, ihr Leben sauber, klar und glücklich sein würde - sie dann ein gutes Leben hätten.

Also: was können wir tun mit diesen Problemen, die uns so quälen in unserem Leben?

Wir können zu einem guten Freund gehen, der uns meistens einen praktischen Rat anbieten wird, der nichts mit der Wurzel unserer persönlichen Probleme zu tun hat; wir können auch zu einem Psychotherapeuten gehen.

Einzigartige, besondere Menschen leiden unter persönlichen Problemen, die ihr Leben schwer und bisweilen sogar elend machen, während die meisten Menschen, die sie kennen, ohne diese persönlichen Probleme leben - sie haben vielleicht ein paar Probleme, aber sie fühlen sich nicht gehindert, ein normales, erfülltes, glückliches, konventionelles Leben zu führen.

Die vorherrschende generelle Sicht ist, dass wenn jemand voller persönlicher Probleme durch das Leben geht, es die eigene Schuld ist; denn die Ursache muss sein, dass etwas mit dieser Person nicht stimmt: entweder macht die Person etwas nicht richtig, oder sie hatte eine schwierige Kindheit, oder sie wurde mit mehr psychologischen Problemen geboren als andere. Viele passen in diese normale Art des Lebens, während diese Minderheit sich sicher ist, dass sie aufgrund ihrer persönlichen Probleme nicht in das soziale System passen kann.

Mein Ansatz ist völlig anders: niemand hat irgendwelche persönlichen oder psychologischen Probleme. Alles, was es gibt, sind hochbesondere und seltene Personen, die mit der Autosuggestion leben, dass etwas mit ihnen nicht stimmt.

Wir sind entweder geboren mit diesem potenziellen Geschenk, oder wir versuchen, uns dem "kleine Boxen"-Leben anzupassen, welche die Gesellschaft uns anbietet.

Wir sind gesund geboren; physisch, psychologisch und mental (außer wir haben ein physisches Problem, wie eine Behinderung).

Also ist niemand verantwortlich für die eigenen persönlich-psychologischen Probleme, alles ist ok mit uns. Niemand hat eigene Probleme, die ihn betreffen und für die er selbst verantwortlich ist. Es ist nicht unsere Schuld.

Doch es ist fest davon auszugehen, dass wenn wir zu einem Psychologen gehen, dieser von Anfang an so in Bezug zu uns tritt, als wäre etwas nicht in Ordnung mit uns (weil wir diese vermeintlich persönlich-psychologischen Problemen haben). All diese Probleme entstehen weder durch Geburt, Erziehung oder Bildung. Ausgenommen Kinder mit misshandelnden Eltern (was sehr gering ist in der Prozentzahl), wachsen die meisten Kinder mit viel Liebe und in besten Bedingungen auf.

Also sind nahezu alle Babys frei von persönlichen Problemen, wachsen eingepackt in Liebe und Fürsorge, und trotzdem gibt es Menschen, die ihr Leben nicht auf die Reihe bekommen aufgrund der persönlichen Probleme.

Welcher Grund bleibt uns also noch übrig, der das erklären könnte? Die meisten, wenn nicht alle, dieser psychologischen Probleme sind nicht psychologisch, sondern in Ihrer Wurzel soziologisch. (s. Bücher von Prof. Eva Ilouz)

Wir leben in einer korrupten, entfremdeten, unmenschlichen, technischen Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die sich auf riesige Organisationen stützt, und der Fähigkeit zur Integration und dem Funktionieren in dem größeren System absolute Wichtigkeit einräumt. Und wenn wir es nicht können (weil wir besonders und anders sind) - dann muss etwas mit uns nicht stimmen!

Es ist also nichts verkehrt mit den meisten Menschen, alles was es gibt, ist diese Minderheit von besonderen, speziellen Menschen, die hochsensibel sind, was ich bezeichne als: die mit einer extra Seele. Sie sind besonderer, talentierter, haben eine originellere Sicht auf das Leben, und sind viel tiefgründiger als der Durchschnittsmensch.

Aber Menschen, die besonders geboren sind, können sich in die konventionelle Gesellschaft nicht integrieren. And wenn sie sich nicht integrieren können - und wenn sie denken, dass sie sich nicht integrieren können - dann muss etwas falsch mit ihnen sein. Und sie gehen zu einem Psychologen: er bestätigt zum Großteil, dass irgendwas mit ihnen nicht stimmt. Aber nichts ist falsch mit ihnen, alles was los ist, ist, dass es eine Minderheit von hoch individuellen Menschen gibt, deren Besonderheit nicht zur durchschnittlichen, mittelmäßigen Mehrheit passt. Sie leben in einer Gesellschaft, die alle darin ausbildet, durchschnittlich zu sein, wie jeder andere zu sein und dann die Bestätigung zu bekommen, ok zu sein.

Es sind also die besonderen, seltensten, herausragendsten Individuen, die an persönlichen Problemen leiden.

In Wahrheit ist es nicht nur nicht ihre Schuld, sondern eine große Bestätigung und Beruhigung für sie: nur die hochsensiblen, künstlerischen, spirituellen und besonderen Menschen leiden unter persönlich-psychologischen Problemen.

Sie leiden in der Basis, weil sie herausragend und einzigartig sind.

Aufgrund dieser Einzigartigkeit und Besonderheit können sie nicht in die mittelmäßige, dominante und normgerechte Gesellschaft hineinpassen, die ihr Leben elend macht, indem sie diese Menschen stigmatisiert.

Ihre Probleme entstehen nicht aus sich selbst, sondern von der rigiden, gewaltvollen Gesellschaft, die, wenn sie ein Individuum entdeckt, das nicht den herkömmlichen Weg geht ein guter Schüler in der Schule, guter Student in der Universität, ein guter Mitarbeiter in der Firma, guter Ehemann oder Ehefrau und guter Vater oder Mutter in der Familie zu sein - diesen Menschen stigmatisiert.

Doch die besonderen Menschen, die anders sind - die Außenseiter - haben ein anderes Schicksal als das konventionelle. Und sie werden sehr stark diskriminiert dafür, dass es ihnen nicht möglich ist, wie alle anderen zu sein und in ein hochtechnisches System zu passen und dort zu funktionieren.

Sie sind sicher, dass wenn sie nicht diesen Weg gehen können, es bedeutet, dass etwas mit ihnen nicht stimmt (was dann verantwortlich ist für ihre persönlichen Probleme). Aber nichts ist falsch mit ihnen - im Gegenteil. Tief im inneren sind sie die besten der besten, hinsichtlich ihrer Seele und ihres Geistes.

Aber in solch einer unmenschlichen, entfremdeten und hochkompetitiven Gesellschaft internalisieren sie das Stigma und werden dann überzeugt, dass etwas mit ihnen nicht stimmt.

Es ist die Gesellschaft, die zum Großteil unmenschlich, entfremdet und kompetitiv ist und diejenigen diskriminiert, die einen besonderen Funken tragen. Die Mehrheit wird gezwungen, in ihr zu funktionieren wie konditionierte Roboter.

Und diese diskriminierten, höheren Wenigen, entwickeln persönliche Probleme, die nur ein Symptom des Stigmas der Unfähigkeit sind, sich in diese seelenlose Gesellschaft zu integrieren. Eine Gesellschaft, in der Wettkampf und Normalsein die Idee der Selbst-Aktualisierung völlig verdrängt und rausdrängt hat, obwohl diese die eigentliche Herausforderung und das eigentliche Gravitationszentrum der besonderen Wenigen ist. (Übrigens scheint im 21. Jahrhundert die Anzahl der besonderen Wenigen, die nicht in das System hineinpassen, zugenommen zu haben)

Diejenigen, die einen einzigartigen Funken tragen und nicht hineinpassen, gehen also durch das Leben mit vielen Schuldgefühlen (für das, was vermeintlich abgefuckt ist in ihnen). Aber nein! sie sind ein wertvoller Edelstein, sie sind die Erlösung für die verlorenen Menschen in einer verlorenen Welt.

Trotz dieser Hoffnung und diesem Potenzial wird ihnen die größte Ungerechtigkeit angetan, da sie in dem herrschenden, dominanten, kollektiven Ökosystem keinen Platz finden, ihr besonderes Potenzial anzuwenden. Daher sind sie verloren, sie tragen persönliche Probleme als ein Resultat des nicht passen könnens und dem Stigma, das dem folgt. Das Stigma sagt wieder und wieder: "du bist abgefuckt, etwas stimmt mit dir nicht", während das komplette Gegenteil wahr ist.

So wachsen sie auf, in der Überzeugung, dass alle in Ordnung sind und nur mit ihnen etwas nicht stimmt.

Alles ist festgefahren in der Welt, wie ein stehendes Gewässer, und nur die Funkenträger können die Hoffnung sein, die Erlösung. Aber genau wie die Frauen vor hundert Jahren - ohne Rechte - verstecken sich diese speziellen Wenigen in der Kammer, weil sie sich schämen für das, was sie sind.

Also ist das wichtigste für diese Menschen, ihr Potenzial so weit wie möglich durch Arbeit zu entwickeln, kultivieren und zu nähren.

Es ist an der Zeit, dass sie realisieren, wer sie wirklich sind, und wie großartig ihr Beitrag zu anderen sein kann.

Aber dafür müssen sie aus der Kammer herauskommen (der Kammer des Andersseins), zusammenkommen, einander unterstützen und gegen die Normen der Gesellschaft rebellieren, die sie sozial stigmatisiert.

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Gabriel Raam
Philosoph, Dozent (im Ruhestand) und Experte für nonverbale Kommunikation
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Die Partysprenger - Teil 1